Orientalismus und Ãgyptomanie in der Mode der 20er Jahre
- Marleen Tigersee
- Feb 27, 2025
- 3 min read

Meine verehrten Damen und Herren,
obwohl wir nun schon Februar haben, möchte ich Ihnen zu Beginn ein frohes neues Jahr wÌnschen! Ich hoffe, Sie haben den Jahreswechsel stilvoll und in Begleitung von charmanten und faszinierenden Menschen begangen. Wenn es stilvoll fÌr Sie weitergehen soll, empfehle ich Ihnen die weitere LektÌre dieses Artikels, der Sie hoffentlich gut unterhÀlt und Ihnen vielleicht auch noch Inspiration fÌr den eigenen Kleiderschrank bringt!
Der Traum vom Orient
Wie man sich leicht vorstellen kann, ist die Faszination der westlichen Welt an weit entfernten, exotischen Orten keine Neuerscheinung der 1920er Jahre. Schon in frÌheren Jahrhunderten war der Orient mystisch aufgeladen, GemÀlde und literarische Werke wie die MÀrchen aus Tausendundeine Nacht trugen zur Legendenbildung bei. Besonders im 19. Jahrhundert inspirierte dieser Sehnsuchtsort viele KÌnstler, wie die Schriftsteller Wilhelm Hauff, Hans-Christian Andersen oder Washington Irving, die orientalische MÀrchen und Geschichten schrieben oder Maler wie EugÚne Delacroix oder Jean-Auguste Ingres mit ihren GemÀlden Die Frauen von Algier und TÌrkisches Bad.


Als der französische Modeschöpfer Paul Poiret 1911 einen Ball unter dem Motto La Mille et DeuxiÚme Nuits (Die Tausend und Zwei NÀchte) gab, begleitet von opulenten, avantgardistischen Kreationen aus seinem Haus, war ein neuer Modetrend geboren. Besonders bemerkenswert waren Poirets fÃŒr die Zeit noch unÃŒbliche Modelle, die so entworfen wurden, das sie ohne Korsett getragen werden konnten. FlieÃende Stoffe, klare Linien mit Mustern und Design-Elementen inspiriert von Kaftanen und anderen orientalischen KleidungsstÃŒcken, setzten neue MaÃstÀbe fÃŒr bisher bekannte und akzeptierte Normen. Wer Poirets Kreationen schon in den 1910ern trug, gehörte vermutlich noch zu den modischen Vorreiterinnen, nach Ende des ersten Weltkrieges jedoch fanden sich immer hÀufiger orientalische EinflÃŒsse in der Mode wieder. In den 1920er Jahren gehörten flieÃende Linien, Accessoires wie Turbane, Federn, lange TÃŒcher und Perlenketten zu den prÀgenden Stilelementen des Jahrzehnts.



Ãgyptomania
Das alte Ãgypten erfuhr ebenfalls im 19. Jahrhundert eine Renaissance. Durch Napoleons Ãgypten-Feldzug rÃŒckte das Land, das schon die alten Römer fasziniert hat, wieder in den Interessenfokus der europÀischen Gesellschaft. Die britische Kolonialisation und die Entdeckung vieler Pharaonen-GrÀber (wie das des berÃŒhmten Tutanchamun 1922) steigerte die PopularitÀt und Faszination an dieser antiken Kultur ins Unermessliche. Ãgypten wurde zu einem beliebten Reiseziel fÃŒr Abenteurer, aber auch KÃŒnstler und Schriftsteller wie Tamara de Lempicka, Agatha Christie und Thomas und Katia Mann zog es dorthin. Literatur, Film und Musik lieÃen sich ebenfalls inspirieren, Filme wie Cleopatra (1917) oder Ernst Lubitschs Das Weib des Pharao (1922) lockten viele Zuschauer an, es wurde zu Egyptian Rag getanzt und gruselige Romane zu Pharaonen-FlÃŒchen verschlungen.


Passende Parfums und Seifen kamen auf den Markt, man trug Schmuck und anderes dekoratives Beiwerk mit Àgyptischen Ornamenten und selbstverstÀndlich wollten die Damen sich auch kleiden wie Königinnen des Nils. Zeitungen und ModehÀuser zeigten wie es richtig ging:




Die 20er Jahre - offener Zeitgeist und kreativer NÀhrboden
Die 20er Jahre waren in vieler Hinsicht eine Zeit des Umbruchs. Nach den ÃŒberstandenen Schrecken und Entbehrungen des Krieges sehnten sich die Menschen nach Luxus, Glanz und schönen Dingen. Auch die Sehnsucht nach fernen Orten war sicherlich bei vielen nach den vier Jahren, in denen man nicht reisen konnte, sehr groà geworden. Der Krieg hatte ebenfalls dafÃŒr gesorgt, dass althergebrachte, westliche Werte infrage gestellt wurden. Die Suche nach neuen LebensentwÃŒrfen, Ansichten und Stilen brachte eine Vielzahl an experimentellen Konzepten, Reformbewegungen und innovativen Kunst-, Architektur- und Moderichtungen hervor. Durch Zeitungen in groÃen Auflagen und dem Kino als neuem Massenmedium konnten sich diese nun auch so schnell und flÀchendeckend wie nie verbreiten.

Liebes Publikum,
ich hoffe, ich konnte Sie mit diesem Ausflug in die exotisch-extravaganten Modewelten der 20er Jahre etwas inspirieren. Und wÀhrend es drauÃen noch regnet, schneit oder stÃŒrmt, können wir, behÀngt mit Perlen, SeidentÃŒchern und Federschmuck, schon mal von wÀrmeren Tagen trÀumen. Bleiben Sie mir bis dahin gewogen.
Herzlichst
Ihre Marleen Tigersee